Frauen stehen der zivilen Nutzung von Drohnen in Deutschland eher skeptisch gegenüber, während Männer dem Einsatz der Technologie vorwiegend zustimmen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit dem Institut für angewandte Sozialforschung (infas) zur Akzeptanz unbemannter Luftfahrzeuge erstellt hat.
Für die repräsentative Umfrage wurden Telefoninterviews mit 832 Personen zwischen 14 und 94 Jahren geführt. Auch das Alter ist demnach für die Unbekümmertheit gegenüber Drohnen maßgeblich: Nur 27% der jungen Befragten zeigten sich besorgt, bei SeniorInnen lag dieser Wert bei 65%.

Häufigste Assoziation „Ausspähen/ Spionage/ Überwachung“
Auch die weiteren Ergebnisse der Studie sind interessant. So sind Drohnen nahezu allen Befragten bekannt, zehn Prozent haben sogar schon einmal selbst eine geflogen. In der Umfrage wurde auch gefragt, für welche „weiteren technischen Möglichkeiten“ Drohnen eingesetzt werden könnten. Genannt wurden zuerst die Bereiche „Überwachung/ Spionage“ sowie „Militär/ Waffe/ Waffentransport“. Der Begriff „Drohne“ wird aber häufig negativ beschrieben. Zu den häufigsten Assoziationen gehören demnach „Ausspähen/ Spionage/ Überwachung“ (30%), gefolgt von „Filmaufnahmen/ Luftaufnahmen/ Vermessung/ Aufklärung“. 16% der Befragten assoziieren Drohnen mit „Militär/ Waffe“.
Laut der Studie ist die Akzeptanz einer Nutzung durch Polizei und Feuerwehr aber sehr hoch. Diese sollten demnach auch über Möglichkeiten verfügen, mithilfe entsprechender Verfahren eine kontrollierte Landung der Drohnen herbeizuführen. Auch die Überwachung des Verkehrs oder von Anlagen zur Energieversorgung mit zivilen Drohnen wird grundsätzlich positiv gesehen. Bezüglich der Behörden mit Sicherheitsaufgaben wurde jedoch nur nach Einsätzen im Rettungs- und Zivilschutz gefragt. Die Umfrage erkundigte sich nicht nach der Meinung zur Überwachung von Liegenschaften, Fußballspielen oder Demonstrationen, wie es von der Polizei in einigen Bundesländern betrieben wird.

Am Ende des Telefoninterviews wurden die Teilnehmenden gefragt, ob sich die Einstellung mit dem Verlauf des Telefonats geändert hat. Die Studienleiterin Maria Stolz vom DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig erkennt eine „leichte Verschiebung ins Positive“. Daraus folgert das Institut, dass „die Beschäftigung mit dem Thema und die Informationsvermittlung bereits zustimmungsfördernd auf das Meinungsbild“ wirken.
Es ist also wichtig, mit der Überwachung auch die negativen Aspekte der staatlichen Nutzung ziviler Drohnen weiter in der öffentlichen Debatte zu halten.
EU-Projekte mit hochauflösenden Kameras
Das DLR ist in verschiedenen Projekten mit der Nutzung von zivilen Drohnen befasst. Das Institut forscht beispielsweise mit 35 Beteiligten aus Europa und Israel im Projekt „DRIVER+“. Das Vorhaben wird von der Europäischen Kommission gefördert und läuft bis 2020. Zu den Aufgaben des DLR gehört die Lageerfassung eines Katastrophengebietes mithilfe von Drohnen. Als Demonstrator wird dabei das Forschungsflugzeug „D‑CODE“ eingesetzt. Es basiert auf dem Propellerflugzeug „Dornier 228“ und ist derart modifiziert, dass Steuerungsanweisungen vom Boden aus empfangen und verarbeitet werden können. Das unbemannte Flugzeug transportiert Kamerasysteme des Earth Observation Centers des DLR. Ein dabei genutztes 3K-Kamerasystem kann je nach Flughöhe ein 80 Quadratkilometer großes Gebiet erfassen. Luftbildaufnahmen werden in nahezu Echtzeit über eine Datenlinkverbindung zur Bodenstation übermittelt.
Die Flug- und Missionsplanung des Flugzeuges erfolgt von der Bodenstation für unbemannte Luftfahrzeuge des Instituts für Flugführung in Braunschweig. Das Flugzeug ist dabei im nicht-separierten Luftraum unterwegs. Auf diese Weise leistet „DRIVER+“einen Beitrag zur Integration auch großer Drohnen in den allgemeinen Luftraum, wie es in Deutschland auch für militärische Drohnen geplant ist. Auch hierzu ist das DLR aktiv und hat erst kürzlich ein Forschungsprojekt mit den Rüstungskonzernen Airbus und Hensoldt sowie der Universität der Bundeswehr gestartet.
Eine Drohne des DLR kommt auch im EU-Projekt „IN-PREP“ zum Einsatz und sendet optische oder Infrarotbilder und ‑videos an das Lagezentrum in Braunschweig. In dem Projekt geht es nicht nur um natürliche, sondern auch um „von Menschen verursachte Krisen“. Laut der Projektbeschreibung erfordere die „Kombination von Klimaeinwirkung, Cyber-Angriffen und terroristischen Aktivitäten“ eine übergeordnete Koordination und Informationsaustausch. „IN-PREP“ wird über das Forschungsprogramm „Horizon 2020“ der EU finanziert und endet in 2020.
